Gartenschreiber
Wolfram Franke

Hermann Hesses Laube


Vor einigen Jahren besuchte ich das Haus und den Garten von Hermann Hesse. Er hatte es 1907 in Gaienhofen hoch über dem Bodensee gebaut und dieser Garten ist der einzige, den er eigenhändig geplant und angelegt hat. Allerdings war er dort nicht lange glücklich. Bereits 1912 zog er mit seiner Familie in die Schweiz, in die Nähe von Bern. Das Haus wurde von anderen Besitzern bewohnt, verwahrloste schließlich und wäre längst abgerissen und das ganze Grundstück neu erbaut worden, hätte nicht ein Ehepaar aus dem Rheinland die Initiative ergriffen und das Haus vor der Abrissbirne gerettet. Ein Verein kümmert sich jetzt um die Rekonstruktion des einstigen Gartens von Hermann Hesse. 

100jährige Holzlaube 

Unter den wenigen erhaltenen Elementen des Gartens fiel mir eine Laube auf, die der Dichter zwischen 1907 und 1912 in den Garten bauen ließ. Er hat das in seinem noch erhaltenen Haushaltsbuch vermerkt: 50 Reichsmark hat sie damals gekostet. Diese Laube ist also rund 100  Jahre alt! Sie besteht aus Holz, steht mittlerweile etwas windschief da, sie ist gewiss sanierungsbedürftig, doch sie ist immer noch da, seit 100 Jahren und das: ohne Tropenholz und ohne Kesseldruckimprägnierung!

Kesseldruckimprägnierter Baumarktschrott

Daran muss ich immer wieder denken, wenn ich diese Gartenmöbel aus tropischem Holz sehe, für die Regenwaldflächen unwiederbringlich zerstört werden, und selbst bei Plantagenholz aus tropischen Ländern sehe ich nicht den Sinn ein, wenn dieses Holz über weite Strecken per Schiff hier her transportiert wird, und oft noch nicht einmal etwas Geschmackvolles dabei herauskommt. Schlimmer noch ist dieser kesseldruckimprägnierte Baumarktschrott, den man allerorts zu sehen bekommt. Diese Lösungen, mit denen das Holz imprägniert wird, enthalten Salze und chemische Verbindungen manche auch Schwermetalle, die alles andere als umweltfreundlich sind. Und sie dringen nur wenige Millimeter ins Holz ein, bei Fichte etwas weniger, bei Kiefer etwas mehr. Nach wenigen Wochen haben sie schon 25 bis 50 Prozent ihrer angeblich das Holz schützenden Wirkstoffe durch Ausgasung verloren – an die Umwelt! Doch auch das Holz arbeitet und Feuchtigkeit, Staub, Erde, Pilzsporen, sie dringen trotz Imprägnierung ins Holz ein. Der kritische Punkt bei Zaunpfählen und Palisaden ist immer der Übergang von dem oberirdischen Teil in die Erde. Dort setzen wechselnde Feuchtigkeit, Frost, Bakterien und Pilze dem Holz besonders stark zu, sie greifen sie an, wie Karies die Zähne, und schließlich fallen die Palisaden um. Doch was passiert dann? Verbrennen kann man sie nicht, denn sie brennen nicht, und das ist gut so, dass man die Schadstoffe nicht auch noch in die Luft jagen kann. Sie müssen auf den Sondermüll! Längst weiß man, dass zum Beispiel heimisches Lärchenholz in unbehandeltem Zustand mindestens ebenso haltbar ist wie das kesseldruckimprägnierte Kiefernholz und kaum teurer. Doch die Garten- und Bauämter verlangen in ihren öffentlichen Ausschreibungen immer noch eben dieses kesseldruckimprägnierte Holz.

Schuppen aus Altholz: 20 Jahre alt

Holz hält im Freien viel länger als uns die holzverarbeitende Industrie glauben machen will. Mein Gartenhäuschen im Kreativgarten, das ich ebenfalls auf dieser Website abgebildet habe, ist mittlerweile 16 Jahre alt. Die Bretter, Fichtenholz, stammen von der Scheune des alten Reitsbergerhofs, dessen Scheune abgetragen wurde, als der neue Hof fertig war. Diese Scheune hatte einige Jahrzehnte lang Wind und Wetter getrotzt, und die Bretter waren noch lange nicht morsch. Und auch mein Gartenhäuschen zeigt noch keinerlei Verwitterungserscheinungen. Es sieht so aus als würde es noch Jahrzehnte lang halten, vielleicht sogar mich überleben.

Altholz, das durchaus noch brauchbar ist, gibt es im Überfluss. Sie brauchen sich nur ein wenig umzuschauen. Und man kann daraus herrliche Dinge bauen, die allemal schöner und origineller sind als die meisten Tropenholz-Möbelkollektionen und der kesseldruckimprägnierte Baumarktschrott.


19. Dezember 2012